Mittwoch, 9. Juli 2014

Die Schriften des Waldschulmeisters, Peter Rosegger

Peter Rosegger erzählt die Geschichte des Andreas Erdmann, der, von Krieg gezeichnet, dem Leben entflieht und in einem abgelegenes Tal in den Bergen lebt.

Der junge Andreas kann nur durch viel Glück die Schule besuchen, lehnt sich aber gegen das System auf und fällt auf Grund dessen durch die Prüfung. Er heuert bei Andreas Hofer an, zieht für ihn in den Krieg und wird dort gefangengenommen. Bei einer Schlacht tötet er seinen besten Freund Heinrich. Dies führt dazu, dass Erdmann sich von der Welt abwendet und in der Abgeschiedenheit in den abgeschiedenen Wäldern ein neues Leben beginnt.
Eigentlich als Lehrer eingestellt, soll er für den Grundherrn die Bevölkerung zivilisieren. Er gewinnt nach und nach das Vertrauen der Menschen, errichtet eine Kirche, später eine Schule und einen Friedhof. Erdmann ist ein angesehener Mann im Dorf. Die Jahre vergehen, und eine neue Generation wächst heran. Die Traditionen scheinen auf einmal nicht mehr wichtig, die Zeit verändert sich, die moderne Welt hält Einzug.
Erdmann selbst wird immer einsamer, seine Freunde sind alt geworden und sterben nacheinander. Trost findet er in seinen Bergwanderungen. Einmal möchte er das Meer sehen, so sein Wunsch. Dies wäre nur an kalten Wintertagen vom Grauen Zahn aus möglich. So steigt er am Christtag 1864 auf den Berg, erblickt am Horizont einen Streifen silbergrau glänzendes Meer. Daraufhin erblindet er und erfriert einsam.

Mit gefühlvollen Worten erzählt Peter Rosegger eine zum Teil autobiographische Geschichte. Sehr berührend dabei erscheinen mir die Stellen, in denen die Wichtigkeit einer Kirche im Dorf beschrieben wird. Der Glaube, wie es scheint, versammelt die Menschen und formt sie zu einer Gemeinschaft.

...trotzdem Ja zum Leben sagen, Viktor E. Frankl

Viktor E. Frankl`s Buch ist kein Tatsachenbericht über die Vorgänge in einem Konzentrationslager. Der Autor schildert seine Erlebnisse und erklärt diese als Psychologe. Anhand von konkreten Ereignissen ergründet er die menschlichen Handlungen sowohl von Kameraden, den "Capos", wie die Blockältesten genannt werden, aber auch von SS- Männern.

Das Buch spannt einen nüchternen Bogen beginnend bei der Aufnahme im Lager, über den Alltag im KZ, bis hin zur Befreiung. Es erzählt vom Galgenhumor der Inhaftierten, setzt sich mit Suizid auseinander und bemerkt: "Wenn Leben überhaupt einen Sinn hat, dann muß auch Leiden einen Sinn haben." (S. 109 f.) Frankl verdeutlicht, dass Menschlichkeit nicht von der sozialen Stellung abhängig ist, sondern vielmehr auf dem Charakter und der Lebenseinstellung des Einzelnen beruht.
Seelische Grausamkeiten, wie Hohn und Haß wiegen schwerer als körperlicher Schmerz. Mit dieser Feststellung beschreibt Frankl die unter den Kameraden, aber auch dem Wachpersonal herrschende Gleichgültigkeit. Nächtliche Träume werden als das Paradies wahrgenommen. Heiße Bäder, Essen in Hülle und Fülle sind die Wunschvorstellungen, die die Menschen am Leben halten. Das alltägliche Gespräch dreht sich um Leben und Überleben, Politik und Kultur geraten zur Nebensache, Religion gewinnt Bedeutung.
Frankl betont, wie wichtig es ist, trotz des Elends den Sinn im Leben nicht zu verlieren. Diesen Sinn zu verlieren, würde heißen, sich selbst aufgeben und Selbstaufgabe führte oft genug in den Tod.
..." es kommt nicht uns nimmer darauf an, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet?" (S. 124/125)
Die lang ersehnte Befreiung konnte anfangs nicht das Glücksgefühl bringen, dass sich die Menschen erhofften. Die Freiheit wurde wie im Traum erlebt.


Synchronisation in Birkenwald
Das Theaterstück spiegelt die Gedanken Frankls aus dem KZ wider.
Die Philosophen Spinoza, Kant und Sokrates machen deutlich, was das Buch vermitteln soll. Die Menschen müssen an sich selbst glauben und den Sinn im Leben und Leiden suchen.

"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie" (Nietzsche) Mit diesem Satz, der wiederholt im Buch zitiert wird, beschreibt die Essenz des Buches. Er ist auch auf unser alltägliches Leben anzuwenden.

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