Sonntag, 20. Juli 2014

Zum Reisen... A. Knigge

Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen, und daß man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen läßt.

Adolph Freiherr von Knigge (1752 - 1796)

Der Mensch kann nicht fliegen, Egyd Gstättner

Vor mehr als 100 Jahren erschießt sich Carlo Michelstädter. Egyd Gstättner skizziert das Leben des jungen Schriftstellers und Künstlers, der sich nur schwer in der Realität zurechtfindet.

„Keine Angst vor morgen mehr, und keine Angst vor heute. Das ist gut. Das ist Freiheit. Grauenhafte Freiheit, aber Freiheit“. (Seite 195) Danach sehnt sich Carlo in seinem Leben. Zuerst studiert er Mathematik in Wien, später Literaturwissenschaften und Philosophie in Florenz. Finanziell unterstützt von seiner Familie, kann er sich voll auf sein Studium konzentrieren.
Je mehr er sich aber mit der Philosophie und der Literatur beschäftigt, umso weniger versteht er die Menschen und das Leben selbst.
Carlo leidet darunter, dass er es zu nichts bringen würde. Er schreibt und zeichnet, aber alle Zeitungen und Verlage lehnen seine Werke ab. Er wird nicht gehört. Selbst von seiner Familie fühlt er sich unterverstanden. Vor allem seine Mutter, die „unfehlbar“ über allem thront und für die „der Superlativ eigens erfunden worden sei“ (Seite 126), brüstet sich zwar gerne mit ihrem studierenden Sohn, kann und will sich aber auch nicht mit dem Seelenleben ihres Sohnes beschäftigen.
Wie jedes Jahr erwartet sie sich als Lohn für ihre Mutterpflichten einen Geburtstagsbrief unter ihrem Kopfpolster. Doch in diesem Jahr bleibt dieser Brief aus, weil es für Carlo unerträglich peinlich ist, in seinem Alter diesen Brief zu verfassen. Er malt ihr ein Bild mit dem Titel „Weißes Licht!“. Ein Bild von Hoffnung und Neubeginn. Doch es bleibt unbeachtet. Emma Michelstädter beschimpft ihn aufs Übelste.
Bereits vorher hat sich Carlo vorgestellt, wie es wäre, die alles bestimmende Mutter zu ermorden, kommt jedoch zu dem Schluss, dass es für sie die schlimmere Strafe wäre, wenn er sich umbringen würde. Seinem Bruder Gino gleich, der sich ein knappes Jahr davor im entfernten Amerika das Leben genommen hat, erschießt sich Carlo am Geburtstag seiner Mutter.

Egyd Gstättner lebt als freier Schriftsteller in Kärnten und erhielt für "Der Mensch kann nicht fliegen" 2009 den Otto Stoessl Preis.

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