Ein Leben 8

So war der Tod für Sara nicht fremd.
Jeden Tag, wenn sie aus ihrem Fenster sah, beim Zubettgehen oder beim Aufwachen, stand am Parkplatz vor dem Fenster ein Leichenwagen. Der Fahrer wohnte im Haus nebenan, und war nicht, wie man vielleicht denken möchte, ein alter schrulliger Mann, sondern ein junger, netter Familienvater mit einem guten Sinn für Humor.
Direkt zu tun hatte Sara mit dem Tod in ihrem Leben nur wenige Male.
Peter, der Freund der sich wegen ihr das Leben nahm.
Ein Großvater, der starb, als Sara fünf Jahre alt war. Von dem Ereignis war ihr nur die Traurigkeit und das Unverständnis in Erinnerung geblieben, als der Sarg in die Erde hinab gelassen wurde, und in ihrem Kopf die Bilder des Großvater, der von den Würmer aufgefressen werden würde. Und später, als alle beim Leichenschmaus Rindfleisch mit Semmelkren aßen und Witze machten. Und die Mutter, die über die horrenden Kosten klagte.
Später gab es da noch Mini, das Meerschweinchen. Sara hatte es bekommen, als es noch ganz klein war. Ein zartes Geschöpf, das sie ganz fest an sich drückte, weil sie endlich jemand hatte, den sie drücken durfte. Dann ließ Mini den Kopf hängen. Sara hatte das Meerschweinchen erdrückt. Tagelang hatte sie geweint. Aus Kummer um Mini und vor Schmerz wegen der Prügel der Mutter.

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